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Tischfussballvereinigung e. V.

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11-06-10 15:21

Players 4 Players Weltmeisterschaft, Sporthotel Aramis Gäufelden


Bereits im Vorfeld der WM zeichnete sich ab, dass es dieses Turnier in sich haben würde: Im Internet auf tischfussball.de glühte das Partnerforum und die Teams im Nationencup wurden wegen der vielen Anfragen von 16 auf 20 Nationen erhöht. Mit dem Ansturm, der dann kam, hatte aber niemand gerechnet. 801 Teilnehmer machten dieses Turnier zum größten seiner Art im neuen Jahrtausend und prägten gleichzeitig das Bild dieser WM: Verzögerungen in den Disziplinen und lange Wartezeiten. Das Unglück ist ein Rudeltier und so gesellten sich zu den vielen Teilnehmern auch noch die technischen - und die Softwareprobleme. Die Geduld der Spieler wurde auf eine harte Probe gestellt. Glücklicherweise war das Wetter an diesem Wochenende so ganz untypisch für dieses Jahr, so dass man sich seinen Unmut von der Seele reden konnte während man sich mit anderen Spielern in der Sonne aalte. Das Herumlungern auf Turnieren haben die Veranstalter des Partybuses inzwischen beinahe zu einer hohen Kunst perfektioniert: Mittels Babyphon, welches neben einem Lautsprecher versteckt wurde, konnten die Durchsagen der Turnierleitung direkt am Bus empfangen werden, so dass man sich nur wirklich dann von der geselligen Runde und seinem Cuba Libre trennen musste, wenn es wirklich nötig war. Dementsprechend leicht konnten die Partybusler anhand ihrer roten Markierungen auf Armen und Nasen von den restlichen Turnierteilnehmern unterschieden werden. Einen kleinen Anhängerkreis fand auch das von Marc Balic zum Zeitvertreib eingeführte Spiel des Plastikflaschen balancierens. Hierzu wurde eine viertel gefüllte Flasche umgekehrt auf zwei Fingern balanciert, wobei das anfangs leichte kräuseln des Wassers nach und nach in einem wilden Zucken des Wassers und des Balancierers gipfelte, sehr zur Belustigung der Zuschauer.

Neben dieser Art der seichten Unterhaltung wurde natürlich auch jede Menge hochklassiger Tischfußball geboten: Besonders große Zuschauermengen zogen dabei die Amerikaner Ryan Moore und Tony Spredemanan an, die man zum ersten mal auf einem Players Turnier bewundern durfte. Auch wenn beide noch nicht an die Leistungen eines Billy Pappas herankamen, so merkte man wie die beiden im Verlaufe des Turnieres sich immer mehr auf dem Tisch einspielten. Neben den Amerikanern war auch alles angereist was im europäischen Tischfußball Rang und Namen hat: Rocco Raven aus den Niederlanden, Adel Yousfi aus Frankreich, eine ganze Ladung Perrins aus der Schweiz und natürlich Frédéric Collignon aus Belgien. Bei diesem hochkarätigen Feld versprachen die Begegnungen im Nationencup höchste Spannung. Das deutsche Team war sich der starken Konkurrenz bewusst und entsprechend vorbereitet: Vor dem Turnier wurde extra ein Trainingstag der Nationalmannschaft eingelegt, um die Stärken und Schwächen der Spieler auszuloten, passende Teams zu finden und natürlich um sich zu verbessern. Dass man den Nationencup ernst nahm merkte man besonders bei Markus Salewski. So unglaublich es klingen mag, doch wegen seiner Nominierung für die deutsche Mannschaft hatte er sich vor der WM ganze drei Wochen Urlaub genommen um zu trainieren. Im DYP zahlte es sich bereits für ihn aus. Mit Partner Frank Heiden belegte er Platz zwei hinter Frédéric Collignon.

Für Kapitän Uli Stöpel und seinen Kader lief zunächst auch alles nach Plan. In der Gruppe konnte man sich gegen die Konkurrenten aus Österreich, Kroatien und Griechenland klar durchsetzen und belegte Platz 1 in der Gruppe. Damit erwartete uns mit Italien ein leichter Gegner im Viertelfinale, den man auch ohne größere Anstrengung mit 5:0 überwand. Mit dem Sieg Österreichs über die Niederländer stand der Gegner Deutschlands für das Halbfinale fest. Obwohl das Team aus Österreich stark aufgestellt war, konnte sich das deutsche Team mit 4:1 klar gegen das Nachbarland durchsetzen. Im zweiten Halbfinale zwischen Belgien und der Schweiz verlor Collignon sein Match und bereitete damit den Weg für die Schweiz ins Finale.

Dort sah es aus deutscher Sicht zunächst sehr gut aus. Die Doppel Schoderer / Brauns und Wahl / Salewski konnten sich gegen Herbert und Florian Perrin sowie Guggemoos und di Santo durchsetzen. In den Einzeln verlor Thierry Müller mit 2:0 klar gegen Gilles Perrin. Bei Asimenia Kiroglou sah es hingegen schon nach einem Sieg der Deutschen aus. Im Entscheidungssatz führte sie bereits 3:0 gegen Kontrahentin Beatrix Ammann, der Sieg war bereits zum Greifen nahe. Irgendwie schaffte es Ammann aber das Spiel nochmal zu drehen und mit fünf Toren in Folge 5:3 zu gewinnen. Im anschließende Mixed zwischen Sabine Steinlechner mit Ingo Aufderheide und Cindy Moser mit Christian Szüle machten die Schweizer dann kurzen Prozess und holten sich mit einem deutlichen 2:0 Sieg den Titel im Nationencup. Besonders gefreut hat sich Christian Szüle über den Titel. Im Halbfinale gegen Belgien kam er geknickt zur Turnierleitung um zu fragen ob man das Halbfinale nicht nach der Deutschlandpartie austragen könne um ebenfalls in der Finalarena spielen zu dürfen. Hängenden Kopfes verließ er die Turnierleitung als ihm mitgeteilt wurde dass dies aus Zeitgründen leider nicht möglich sei. Auch nach vielen Jahren an der Spitze merkte man Christian in diesem Moment an wie sehr er diesen, unseren Sport immer noch liebt. Herzlichen Glückwunsch an ihn und seine Teamkameraden.

 

Absahner des Turniers - und es ist schon fast langweilig es hier zu erwähnen - war natürlich der belgische Ausnahmespieler Frédéric Collignon. Gerade mal ein Spiel verlor er die gesamten vier Tage außerhalb des Nationencups, dies im DYP gegen Timo Weickenmeier und Christian Selmer. Weickenmeier gelang es damit bereits zum zweiten mal den Belgier zu besiegen, ein Erfolg den bislang nur eine handvoll Spieler erreichten. Partner von Collignon im DYP war der bei Players 4 Players bis dato unbekannte Spieler Damir Kopijarevic. Der Unglückliche wollte das DYP ja gar nicht spielen, nur wegen seinen Freunden musste er notgedrungen schon am Donnerstag anreisen. Dabei wäre er doch so gerne erst am Freitag gekommen. Und dann noch dieses DYP... . Schlappe 958 € bekam er dafür auf die Hand, da sollte für die Freunde mindestens ein gutes Essen bei der Rückfahrt rausgesprungen sein.

An Preisgeld musste bei Collignon noch 2700  € für die Siege im Einzel, im offenen Doppel mit Jamal Allalou, sowie im ProAm mit Henk Habets und im Mixed mit Sandra Ranff draufgelegt werden. Wenigstens machte die Konkurrenz es dem Belgier nicht leicht. Jochen Steinmaier und Carsten Brede zogen im offenen Doppel 2:0 in Sätzen vor, dann ging ihnen leider die Puste aus. Im ProAm lagen Stöpel/Beringhoff sogar schon 4:3 in der Entscheidung vorne, mussten sich aber damit abfinden, dass Fred ihnen keinen Ball mehr auf die Drei durchlassen wollte. Auch Pfingst/Pilovic kamen nah an das ganz große Ziel heran, scheiterden aber wie ihre Vorgänger auf den letzten Metern. So viele dieser knappen Spiele immer wieder für sich zu entscheiden ist womöglich Frédérics größte Stärke. Wo andere die Nerven verlieren schaltet er nochmal einen Gang höher und gewinnt.

Glücklich über die Siege Collignons und im offenen Doppel maßgeblich daran beteiligt war Jamal Allalou. Der freute sich gleich dermaßen über das Finale, dass er vor Spielbeginn munter Bonbons in die Zuschauermenge warf. "Jamal ist der größte!" schallte es von den Rängen zurück. Das Publikum freute sich, glücklich winkte Jamal, die aufwendig vorbereitete Aktion war ein voller Erfolg. Unter den Zuschauern befanden sich mit Sicherheit auch ein paar Hubatschs.

Bei Anwesenheit eines Collignons wäre es schon ein wenig unverschämt, die zweiten Plätze in den offenen Disziplinen einfach weg zu lassen, einen Collignon zu schlagen wird von einem Normalsterblichen ja nicht erwartet.

Obwohl für ihn nur sehr wenig Zeit war sich auf die WM vorzubereiten schaffte es Marc Balic trotzdem, im Einzel auf Platz zwei zu kommen. Damit schiebt er sich in der Rangliste sogar noch vor Thierry Müller und Christian Szüle und bringt damit Unordnung in die sonst so konstante Top 5 der besten Spieler. Platz drei im offenen Einzel ging an Johannes Wahle.

Im offenen Doppel bewiesen Stefan Schoderer und Frank Brauns ein weiteres mal, dass sie derzeit das beste deutsche Doppel sind. Im Einzug Finale setzten sie sich gegen das mit Talent bepackte Team aus Billy Pappas und Rob Atha durch, um sich den zweiten Platz im Doppel zu sichern.

Die Teams, die im ProAm in den oberen Plätzen zu finden waren, könnten auch in jedem offenen Doppel als Sieger hervorgehen: Frédéric Collignon mit Henk Habets, Rocco Raven und Stefan Schoderer, Billy Pappas und Ingo Aufderheide, Ryan Moore mit Tony Spredeman und Gilles Perrin mit Jean-Yves Perrin. Kein schlecht besetztes Feld. Von diesen Top-Teams holten sich die Perrins den dritten Platz, auf Rang zwei schafften es Stefan Schoderer und Rocco Raven. Mit viel Kampf gelang es Robin Hanke und Daniel Morgenthaler auf Platz vier vorzustoßen. Zusätzlich zu diesem Erfolg gebührt ihnen der Preis für das schnellste Match des Wochenendes. Gerne hätte ich mir das Spiel angesehen, als ich mich aber kurz wegdrehte war Collignon bereits mit ihnen fertig.

Für eine Überraschung sorgte Imke Queitsch mit dem sympathischen Schweizer Roland Prisi. Diese schafften es hinter Jamal Allalou und Katja Serowy auf Platz drei im Mixed. Landsmann di Santo zufolge war die Überraschung gar nicht so groß, in Wiesbaden verriet er mir, dass Prisi ab 23.00 Uhr nahezu unschlagbar wird am Tisch. Zu diesem Zeitpunkt, es war schon nach 24.00 Uhr, besiegte er gerade Niko Voigt im Einzel. Besonders hochkarätig und mehr als unterhaltsam war das Spiel in der Verliererrunde gegen Petra "Lilly" Andres und Ryan Moore. Ryan war hoch unzufrieden mit dem Verlauf des Spiels, im Entscheidungssatz ging er mehrmals nach hinten um zu versuchen einen Ball von Prisi zu blocken. So auch beim 4:4. Andres in der Sturmposition konnte sich den Ball ergattern und nahm ein Timeout auf der Fünf um Moore in den Sturm zu lassen. Das Durchlegen misslan und der Ball war noch einige Zeit unterwegs bis er schlussendlich doch im Sturm von Moore zu liegen kam. Dieser setzte zum Jet an, wanderte ein bisschen umher um sich schließlich das zweite Timeout bei diesem Ball und das dritte im Satz zu nehmen. Andres wurde schlagartig weiß im Gesicht und erklärte Moore die vorliegende Sachlage, der seinem Unmut über das hiesige Regelwerk freien Lauf ließ. Wie dem auch sei, beim Stand von 4:4 im Entscheidungssatz kam Roland Prisi zum Matchball wie die Jungfrau zum Kind. Nachdem er sich die Verteidigung einige Zeit angeschaut hatte entschied er sich für einen Schuss in die Mitte. Der Schuss wurde von Lilly mühelos geblockt, was Prisi dazu veranlasste ein paar harte Worte mit sich selbst zu wechseln: "Supr Roli, die Ecken san uffa und du schiesch in´d Mitten! Wirklich supr!" Der Monolog ging noch ein wenig weiter, danach kam der Ball zurück zu Moore auf die Drei an der er das technische Foul begangen hatte. Der Jet den er daraufhin schoss prallte mit Wucht an den Pfosten und zischte von dort, ohne eine weitere Puppe zu berühren direkt unter die Dreierreihe von Prisi wo er unter der Puppe geklemmt liegen blieb. Ryan konnte sein Pech kaum fassen, Roland kaum sein Glück, munter versenkte er zum Matchgewinn, dieses mal in die Ecke.

Bei den Damen gab es einiges an Überraschungen. Zwar wurden mit Sandra Ranff und Petra Andres als Weltmeister und Katrin Matsushita und Simone Burghardt als Vizeweltmeister zwei der Favoritenteams ihrer Rolle gerecht, dass sich Natascha Koske und Claudia Huber aus München auf den Bronzeplatz spielen, hätten nur die wenigsten erwartet.

Ähnlich sah es im Einzel aus. Eine Ellen van der Sijpt hatte vor dem Turnier wohl niemand auf der Rechnung. Mit viel selbst anfeuern schaffte sie es bin ins Finale, dort scheiterte sie aber an der neuen Weltmeisterin Sabine Steinlechner. Platz drei, ebenfalls unerwartet, ging an Jessica Kühnle vor Nele Neumann. Steinlechner schaffte es beinahe einen zweiten Titel abzugreifen. Im Amteur Doppel unterlag sie mit Partner Andreas Hubatsch lediglich den Schweizern Marcel Glaus und Daniel Pilovic. Kickernation Software - Programmierer Christian Wollmann belegte mit Stefan Mateescu den dritten Platz.

Im Einzel bewies Richard Röbbert, dass er seinen Erfolg bei den Neulingen auch als Amateur fortzusetzen gedenkt. Mit unansehnlicher aber effektiver Technik holte er sich den Titel vor David Detre aus Ungarn und Pietro "DJ Flodder" Hofmann.

Bei den Neulingen hat man dieses Jahr bereits viele starke Teams gesehen. Favoriten auf den Titel war das konstant spielende gemischte Doppel Thomas Artinger und Josefine Weinrich, Florian Lesch und Marco Kraus sowie Christian Freystein aus Hannover mit Daniel Obenland. Durchsetzen konnten sich am Ende zwei andere. Mit dem Titel bei den Neulingen gelang Mario Pichlmaier und Thomas Otte aus Bayern der große Durchbruch. Die Konkurrenten Benjamin Willfort und Marco Scherz sowie Freystein und Obenland verwiesen sie auf die Plätze zwei und drei. Freystein schaffte es auch im Einzel auf Rang drei. David Detre gelang hier der Sieg vor Bayram Akgül.

Für alle, die noch nie ein Players 4 Players Turnier gespielt haben und einfach mal reinschnuppern möchten, gibt es auf den großen Events wie DM, EM und WM ein Beginner Doppel, auf dem man für einen kleinen Beitrag bereits großes Turnierfeeling erleben kann. Durchgesetzt haben sich hier Engin Kuruoglu und Malte Göbel die wir ab jetzt hoffentlich häufiger auf unseren Turnieren begrüßen dürfen.

Abseits des Turniergeschehens fand wie auf allen großen Turnieren eine Players Party statt. P4P stiftete zum Anheizen der Stimmung 400 Flaschen Bier sowie 100 Flaschen Cola. Zusätzlich ließ DJ Flodder am Mischpult in gewohnter Manier die Puppen tanzen. Ein bewährtes Rezept für eine gelungene Feier. Gerne wäre ich ein wenig länger verweilt um dem Turnierstress ein bisschen zu entflüchten und interessante Anekdoten für diesen Teil der Geschichte zu sammeln, aber das Meeting am nächsten Morgen um halb 9 verhalf der Vernunft sich durchzusetzten. Gerne hätte ich Niclas Grote als Partybeauftragten ernannt um diesen Teil zu übernehmen, doch wem es nicht aufgefallen ist, Niclas war an diesem Wochenende durchgehend nüchtern. Keine gute Bewerbung für das Amt des Partyministers, doch Niclas blieb nichts anderes übrig. Für einen Monat hatte er sich zur vollkommenen Abstinenz verpflichtet, nicht mal einen vergorenen Apfel darf er essen, bei nicht Gelingen wird keine geringere Strafe als ein Bußgeld von 1000 € verhängt. Aber Kopf hoch, die Hälfte ist ja schon geschafft!

Eine wichtige Meldung noch: Dringend gesucht werden sachdienliche Hinweise zur Entlarvung des Maulwurfs im Aufbauteam. Dieser hatte sich dort eingeschleust und durch Sabotage versucht den Aufbau so gut es ging zu behindern. Auf die Schliche kam man ihm als er sich zu weit aus dem Fenster lehnte und die Tischbeine so mit der Mittelstrebe verband dass die beiden Tellerfüße in entgegengesetzte Richtungen zeigten anstatt in die gleiche. Erste Indizien deuten STARK auf Niko Voigt, um weitere Beweise die zur endgültigen Klärung des Falles führen wird gebeten.

Auch wenn es dieses Turnier nicht so reibungslos lief wie man es von den letzten Turnieren von Players 4 Players gewohnt war, so hat man bei P4P bereits seine Lehren gezogen und wird für die kommenden Großereignisse entsprechend reagieren. Schon bei der deutschen Meisterschaft soll sich einiges ändern. Dort wird es mehr Tische geben, eine optimierte Software und ein noch eingespielteres Team. Den Termin sollte man sich also schon mal rot im Kalender ankreuzen.

 

Bilder: Alexander Wieschmann (www.kickern.de)


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